Das Auge

tagebuch / diary

in meinem tagebuch schreibe ich in unregelmässigen abständen über ereignisse, gedanken, träume in meinem leben.
my diary reflects my thoughts, dreams and the events of my life.
fin'ora non riesco ancora di scrivere il diario internet in italiano, ma farò uno sforzo qualche volta!
c'est difficile pour moi ecrire mon journal internet en francais mais je veux essayer quelche fois!
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luisa in one beautiful world - 18.04.2018 um 13:06:36

 alte frau in aktion 


Jetzt ist sie also raus, die erste Oma-Kolumne des sz online magazins. Sie übertrifft noch meine erwartungen. Die enkelin wirft doch tatsächlich ihre arglose grossmutter dem teils intelligenten publikum zum fraß vor. Da muss die oma beteuern, dass sie es schrecklich findet, wie alte leute immer über die wehwehchen reden, während sie doch über das theaterstück oder ein im nebensatz erwähntes aber nicht weiter beachtetes buch reden möchte. Davon will die enkelin entweder nix wissen oder die oma weiss nicht so genau, was sie dazu sagen soll. Man könnte sich ja auch blamieren mit so einem oma kommentar zu einem gescheiten buch oder theaterstück, oder? Statt dessen: alte leute mobben.
Insgesamt: widerlich.
Ich fühle mich mit menschen sehr wohl, die über ihre schmerzen und probleme reden, weil ich daraus was lernen kann. Ich hab auch schmerzen, schon lang. Und obwohl die werbung das gegenteil behauptet - alte leute die schmerzen haben wissen: das herumschmieren auf dem knie, die spritzen ins knie bringen nix. Das finde ich gut zu wissen.
luisa in transition - 16.04.2018 um 09:01:03

  


Cambra hat (cambraskade.wordpress.com) einen interessanten eintrag über heimat in ihrem blog geschrieben - heimat entsteht auch durch rituale, durch wiederholung, durch variationen. Heimat ist für mich noch mehr. Das sein können und das bleiben aushalten. Die erinnerung als eine art teppich und tapete in einem raum, der nicht nur/nicht allein durch physische vertrautheit definiert ist. Hier im alentejo habe ich mir heimat, die ich sofort als „seelenheimat“ empfunden habe, durch körperliche arbeit vertieft. Ich habe hier so intensiv gearbeitet und dadurch so ein heimeliges gefühl entwickelt. Der wilde garten zum beispiel. Das war vor neun jahren eine ödnis ohne pflanzen, eine müllkippe. Toter boden. Jahrelang habe ich tüten voll erde aus feldern aufgesammelt und in den garten geworfen, wenn irgendwo gemäht wurde habe ich ein tuch voll heu mitgenommen und ausgebreitet. Ohne ziel, ohne ungeduld. Irgendwas wird schon wachsen. Ich habe pflanzen gekauft, manche sind eingegangen, andere haben sich wohlgefühlt und sind stark geworden.
Dieses zusammenwachsen mit den pflanzen ist für mich auch heimat geworden. Es erinnert mich an einen spruch, den ich mal in einem englischen magazin gelesen habe: heimat ist wo die arbeit ist.

Heimat in german is more than home, its a feeling of deep belonging. For me means also to feel good how it is and endure whatever happens there. To feel rooted with memories as a kind of wallpaper and carpet in a space that isn't defined only by physical familiarity. Here in the alentejo i felt at home with my soul immediately and deepened this feeling by working my way towards what i wanted to create. Take the garden. It was a garbage dump, nothing grew there. Dead ground. For years i brought soil from fields and hay, just spread it out and patiently waited what would happen. I bought plants. Some died, some grew strong and felt good there.
This growing together with the plants is a kind of home-feeling too. Reminds me a bit of the saying: home is where the work is.
luisa in one world - 15.04.2018 um 10:51:45

 discovered while swimming in the lake 


Oma. Wir hatten uns im deutschen sprachgebrauch mal drauf geeinigt, dass alte frauen nicht oma genannt werden, nicht im krankenhaus, nicht im altersheim, sondern nur von enkelkindern. Die süddeutsche zeitung freut sich über einen neuen online auftritt fürs magazin und schreibt in einer rundmail begeistert über drei neue kolumnen: die bestsellerautorin charlotte roche, die tennisspielerin andrea petkovic und eine oma-kolumne übers alt werden. Oma hat keinen namen. Braucht sie ja auch nicht. sie wird benutzerdefiniert vorgestellt. Der ultimative gruselschock für junge: eine alte namenlose frau erzählt übers altwerden. Oma eben.
Vermutlich ist das dann weder patti smith, die übers altwerden im musikgeschäft schreibt, oder margarethe von trotta über alt werden im film business, oder meryl streep, iris berben oder dame judi dench, über was es bedeutet eine alte schauspielerin zu sein, vielleicht auch kiki smith oder jenny holzer, die das alter in der kunst diskutieren. oder gar königin elisabeth... Die haben ja alle namen und sind wer. Oma ist niemand. Also liebe süddeutsche, schämt euch, gebt der „oma“ einen namen und hört auf sie oma zu nennen. Komisch auch, dass man eigentlich so gut wie nie von einem alten mann öffentlich als „opa“ hört.

Granny. Haven't we decided long ago that granny is called that only by her grandchildren and not generally by nurses and others, you know, like a general expression for old women. The süddeutsche zeitung, a daily paper in germany, usually quite sophisticated, now announces a new magazine online presentation with three column authors: charlotte roche, bestseller author, andrea petkovic, professional tennis player and a granny column about getting old. Granny has no name. She is presented user defined anonymously. The ultimate eerie shock for young people: an old woman tells about getting old. Granny! Oma! I suppose it won't be patti smith telling about getting old in the music business, kiki smith or jenny holzer talking about old age in art, or meryl streep, judi dench telling what it means to be an old actress. Let alone queen elizabeth... They have names and are somebody. Granny is nobody. I hope süddeutsche zeitung is ashamed about „granny“ and lets her have a name and reputation. Funny, you hardly ever hear about an old man as „grandpa“ publicly.
luisa in one flowering world - 14.04.2018 um 13:39:18

  


  


  


Wenn ich so wegdrifte woher weiss ich dann wann dienstag (yoga) und samstag (markt) ist? Gute frage. Ich weiss sogar wie spät es ist, denn dienstags und samstags kommt die müllabfuhr zwischen sieben und halb acht in der früh.

Ich beschreibe mein leben nicht deshalb so genau, weil ich mich so wichtig finde, sondern weil ich damit sagen will: wir sind alle unterschiedlich. Wir haben oft die seltsamsten gewohnheiten und das ist gut so. Wir sind ja keine roboter. Auch wer sich nicht total anpasst, kann sehr gut in den zwischenräumen leben. Alles was es braucht ist bewusstheit und genaue wahrnehmung.

When i'm out with the fairies how do i know when it's tuesday (yoga) and saturday (market). Good question. I even know the time because the garbage is picked up tuesdays and saturdays between seven and half past in the morning.

I describe my life so meticulously not because i think i'm so important but because i want to send this message: we are all different and have the strangest habits sometimes and that's okay. We are no robots. And even people who don't fit in can live a jolly life in the spaces between. All it takes is conscience and a wide awake perception.
luisa in transition - 13.04.2018 um 12:24:52

  



Widersprüchliches: Wenn ich im alentejo bin verändern sich meine wahrnehmung und mein zeitgefühl total. Manchmal finde ich das direkt beunruhigend. Das gefühl bestimmt wie nah oder fern ein ereignis zu sein scheint und ich habe den eindruck, dass es zeit gar nicht wirklich gibt, eher wechselnde und sich wiederholende gefühlsbilder und erinnerungen, die sich im jetzt ausdehnen.

Tag und nacht, dienstag yoga, samstag markt – das sind die koordinaten die eine struktur schaffen, die aber in der vergangenheit wieder zerfällt. Ich kann oft nicht mehr genau sagen ob etwas vor einem jahr oder vor fünf jahren war.
Ich tauche in wellen von regen, sonne, vogelgesang, steinzeit, espresso - habe das gefühl seit ewigkeiten hier zu sein, obwohl ich ja grade erst in leipzig und in wiesbaden war. Ich esse wenn ich hunger habe, das ist selten zu den üblichen zeiten. Irgendwie ist es eine grosse freiheit, allerdings mit einer leisen reibung – in der welt noch platz nehmen, flugzeiten, besuchzeiten, buch schreiben, workshops usw. die wellen von gefühl müssen ja mit den abläufen um mich herum noch kompatibel sein.
Ich scheine aus der welt zu fallen und doch fahre ich fast dreitausend kilometer in knapp zwei tagen ohne irgendein problem. Bin hochkonzentriert und wach, weiche gefahren aus, schlafe zwei, drei stunden wenn ich müde bin, schaffe es sogar in der grauenvollen unterführung um madrid herum die richtige ausfahrt zu finden, obwohl sie nicht angeschrieben ist, trinke einen espresso, plaudere mit dem einsamen tankstellenhüter.
Wenn ich workshops mache bin ich vom ersten bis zum letzten augenblick voll da, nehme auf was in der gruppe aufkommt, verändere meinen plan danach. Das passt ja kaum zu meinem abdriften hier, aber irgendwie hat das uferlose und das strukturierte in mir platz. Und obwohl ich in der vergangenheit zeiten selten genau benennen kann weiss ich sehr genau, dass ich jetzt neun jahre hier bin.

Contradictions: When i'm here in the alentejo, my perception and my feeling for time change completely. Sometimes it worries me a little bit. Feelings determin how close or remote an event of my life is and i get the impression that time doesn't exist at all, instead it's those ever changing and repeating images of feeling and memories extending in the "now".
My structure here – day and night, yoga on tuesday, market on saturday. In the past all this falls apart again. I often find it difficult to say wether something happened one year or five years ago.
I dive into waves of rain, sunshine, birdsong, old rocks, espresso. I have the feeling I've been here for weeks, but a short while ago i was in leipzig and wiesbaden. I eat when i'm hungry and it can happen that i wake up in the middle of the night and have something to eat. All this is of course great freedom – but there is an uneasy feeling too: will i be able to take place in the world, respond adequately to flight times, workshops, book publishing ecc. i have to make those waves of feeling compatible with the general mean time. (i like the double meaning of mean here)
i seem to fall out of this world and yet i drive almost threethousand kilometres in two days without any problems. I'm highly concentrated, awake, avoid dangers, sleep a few hours when tired, have an espresso, even manage to master the horrible tunnel around madrid and take the right exit although it's not indicated, chat with the lonely keeper of the filling station.
When i give workshops i'm all there from the first to the last moment, follow the streams of the group, change my plans if necessary. That doesn't seem to be possible when i drift off here. And although i'm rarely sure about past times i know very well that i've been here for nine years now.

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