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luisa francia

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luisa francia

ich bin so alt wie die bundesrepublik, ja, leider auch so alt wie die nato, so alt wie die abschaffung der todesstrafe in der bundesrepublik. als ich geboren wurde, lachte ich, weil ich schon wusste, was hier läuft. ich wurde in einem frauenhaushalt gross, obwohl mein vater mit allen mitteln von weitem versuchte, mich kleinzukriegen. das gelang nicht. vor allem, weil ich zaubern kann. als kind können das ja viele, aber die meisten lassen sich überzeugen, daß es magie nicht gibt und fangen statt dessen an zu arbeiten und geld zusammenzukratzen, grosse blechkisten zu fahren und sich was drauf einzubilden. ich habe in meinem leben viele jobs gemacht, tippen, übersetzen, putzen, bedienen, singen, tanzen. aber ich wusste schon mit sechs jahren, dass ich schreiben wollte. mit worten spielen. dem land der kulturbeutel worte wie spielraum, freudentaumel, verjubeln, zaubergarn entgegenzuhalten.

natürlich war ich in der sponti-linken ab 68 heftig aktiv. was mich überhaupt nicht antörnte war die tatsache, dass wir frauen den genossen nachts um drei kaffee kochen sollten, damit sie flugblätter formulieren konnten, die dann sowieso wir schrieben. ich glaube nicht an revolutionen. ich glaub ja nicht mal an aufstand, widerstand und sowas. ich glaube an die kraft der imagination, des bewusstseins an die wechselwirkung von energie, an den tanz aller teilchen. nur wer wach ist, checkts. wer gehirngewaschen in der hypnose der kindheit, im schrecken der zivilisation dahintaumelt, dem hilft auch kein krieg – logisch oder?

jahrelang lang fuhr ich mit meiner tochter walli kreuz und quer durch afrika, später zog ich allein los, um die magie der fetischpriesterinnen von ghana und der mamissis von togo, nigeria und benin zu studieren, ich wohnte bei einem zeichenfänger der ewe in benin und bei yorubapriesterinnen, um die voodoo-religion zu verstehen. ich verbrachte viel zeit mit tuaregs in der sahara, wo die frauen trommeln und sich am donnerstag abend die männer aussuchen, mit denen sie eine woche oder länger zusamensein wollen. ich traf scharlatane, nieten, weise frauen, sogar zwei weise männer. dann fuhr ich sieben jahre lang nur nach indien, nepal und tibet, ich zog allein barfuss durch das himalayagebirge, schlief bei bergbewohnern auf dem hausdach oder bei berggöttinnen auf dem schoss. das gehen allein half mir mein lied zu finden und mein eigenes universum zu spüren. seit ein paar jahren beschäftigt mich das konzept von zeit und raum. die gemessene zeit, die empfundene zeit – ich habe darüber in meinem buch "drei wünsche" geschrieben, das im august 1999 erschienen ist. meine art, ein magisches tagebuch zu führen, schliesst auch bilder malen und rituale feiern ein. kunst sehe ich als teil des lebens, sie interessiert mich nur da, wo sie lebendig ist. kunst ist auch magie. und magie ist nicht nur handwerk sondern auch kunst. frei nach karl valentin: magie ist schön, macht aber viel arbeit.

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