Das Auge

tagebuch / diary

in meinem tagebuch schreibe ich in unregelmässigen abständen über ereignisse, gedanken, träume in meinem leben.
my diary reflects my thoughts, dreams and the events of my life.
fin'ora non riesco ancora di scrivere il diario internet in italiano, ma farò uno sforzo qualche volta!
c'est difficile pour moi ecrire mon journal internet en francais mais je veux essayer quelche fois!
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luisa in bayern - 22.04.2014 um 14:52:39

  


ich habe einiges dazu gelernt. zum beispiel dass die klugen sprüche nix helfen. oder: dass es womöglich gar keine lösung gibt ausser dass die zeit vergeht und gelassenheit eine gute idee ist.
die amerikanische sterbeforscherin elisabeth kübler ross beschäftigte sich ihr ganzes leben lang mit dem sterben. sie hat sehr interessante bücher darüber geschrieben, auch über die phasen des sterbens, etwa, dass sterbende wütend werden auf alle anderen, die noch in urlaub fahren, einkaufen, ausgehen können. als sie selbst im sterben lag, half ihr ihr ganzes wissen nichts. ihre schwester machte sich sogar über sie lustig. sie habe so vielen menschen beim sterben geholfen und könne sich selber nicht helfen.
diesen ambivalenten zustand erlebe ich mit meiner mutter auch: sie droht zu ersticken. nein, nicht ins krankenhaus! und dann als es fast zu spät ist: doch, krankenhaus. sie drückt den hausnotruf. dann kommt natürlich die kavallerie, fünf männer die ein kleines blutbad anrichten - nach allen regeln der ambulanzvorschriften natürlich.
sie will sterben, aber sie hat todesangst. sie kann nichts mehr selbst machen, aber sie will immer sagen wie es gemacht wird.

meine mutter hat zuhause sauerstoff, badewannenlifter, pflege (wir teilens uns mit einer pflegeschwester), rollator für die wohnung, das würde schon alles ganz gut funktionieren.
das problem liegt ganz woanders: wenn du dein leben lang eine rebellin warst, eine eigenmächtige, lebenslustige, freie frau - wie kommst du mit dem zustand zurecht, dass du im kopf topfit bist aber der körper gebrechlich und uralt ist!dass du in allem abhängig bist. dass du sterben wirst, vielleicht nicht heute oder morgen doch es gibt kein zurück.
alle wollen immer gern tot umfallen oder einmal einschlafen und nicht mehr aufwachen. doch die realität sieht anders aus. die meisten quälen sich jahrelang.
luisa in bayern - 21.04.2014 um 08:18:36

 frühstück beim kreitmeier mit interessanten holzobjekten 


 osterkorb im krankenhaus 


 gemeinsam gekochtes osteressen bei ilse 


 blütenrausch 


 sonnenuntergang 


Ich glaube dass es wichtig ist eine vision fürs alter zu haben wenn du nicht in diesem bedrohlichen zustand zwischen leben und tod landen willst wo meine mutter jetzt ist – sie kann weder wirklich leben noch kann sie sterben und ist total abhängig von anderen. Sie wird vielleicht diesen krankenhausaufenthalt überleben, wir werden sie nach hause holen, sie wird schwächer und schwächer und jede nacht ein bisschen ersticken trotz sauerstoff. Mit mühe wird sie sich, wie vorher auch über den tag quälen, morgens total fertig, nachmittags etwas kräftiger.
Gestern gings ihr etwas besser, ilse hat einen osterkorb gebracht und wir haben zusammen ostereier gegessen, das war direkt lustig. Aber dieses auf und ab schlaucht mich. Gerade noch halbtot, dann munter, dann wieder blau angelaufen und röchelnd an der bettkante „ich will sterben“.

als ich in ihrer wohnung war um unterwäsche und nachthemden zu holen raste die uhr wie verrückt im kreis rum, das telefon war tot und der hausnotruf rief: brauchen sie hilfe? ich sagte ihnen dass es ein technischer defekt ist und plötzlich ging auch das telefon wieder, wie mum: gerade noch tot dann wieder quicklebendig. nur die uhr raste weiter bis ich die batterie rausnahm.

Jede nacht nach dem krankenhaus liege ich im bett und denke an meine mutter wie sie mal war und wie sie jetzt am schlauch hängt, sehe diese uralten menschen, die in diesem grauen zwischenreich orientierungslos dahinstolpern und keuchen ohne sich für eine richtung entscheiden zu können.
Draussen bricht das leben aus, alles blüht, die vögel jubeln. Das alles zurückzulassen ist sicher schwer. Und egal wieviele esoterische und religiöse lehren das leben nach dem tod preisen – niemand weiss wie es wirklich ist und die menschen die dem tod sehr nah sind ahnen, dass er womöglich aus und vorbei für immer bedeutet.

I think its important to have a vision for your old age if you don't want to end up like my mum now, somewhere between life and death, totally dependent on others. Maybe she will survive the time in hospital, we will take her home, she will get weaker and weaker, almost suffocating at night in spite of the oxygen she gets, halfdead in the morning, stronger in the afternoon – like before hospital.
when i was in her flat to get nighties and underwear the clock started to turn around like crazy, the emergency device called out"do you need help?" and the phone was dead. it was bizarre. i told the first responder people that there was a technical problem. the phone recovered - just like mum by the way, dead and alive again. only the clock continued speeding around until i took the battery out.

Every night after hospital i lie in bed and see mum as she once was and how she is now and all those old people gasping and moaning. I see them stumble and stagger in this grey in-between world unable to find a direction.
Outside there is an outbreak of nature, of new life, everything blooms and blossoms, birds jubilate. I bet its difficult to leave all that behind. However often religions and esoteric gurus claim the beauty of afterlife – we don't know. And people close to death probably feel it could mean over and out forever.

luisa in bayern - 19.04.2014 um 08:20:32

  


  


dass doch alle probleme immer gleichzeitig kommen müssen. die umstellung zum neuen server klappt noch nicht wirklich. kontaktformular geht noch nicht, ich weiss. meine mutter ist so schwach dass wir nicht wissen wie es weitergeht und dann muss auch noch dieses undurchsichtige gewerbegebiet daherkommen.da sollen industrieabwässer in einer kleinen idyllischen dorfkläranlage geklärt und in die urtel geführt werden. der dreck fließt dann über urtel und attel in den inn, in die donau und ins schwarze meer. servus dreiquartl!
luisa in bayern - 18.04.2014 um 15:38:19

 das ist die strasse auf der keine radfahrer fahren 


 taglaching ohne schwerverkehr 


In der nacht zum donnerstag schlief ich bei meiner mutter, weil sie sich so schlecht fühlte. Sie röchelte und rang nach luft und am morgen rief ich dann doch den notarzt. Sie wollte zwar nicht ins krankenhaus aber ich konnte ja nicht einfach zuschauen wie sie so langsam erstickt. Ach mei, es ist doch schrecklich dass ein reiches leben so bitter ans ende kommt. Ich rechne eigentlich schon damit, dass sie sich wieder erholt, doch ist es nicht mehr das leben das sie liebt. Alles ist jetzt qualvoll und mühsam.

Mit andy habe ich das email und internet problem gestern angepackt, das heisst andy hat die initiative ergriffen und einen neuen server eingerichtet. Neuer server – neues glück. Und wir haben pläne gemacht. 15 jahre salamandra! E-books! Ich sags euch wenn es soweit ist.


Slept at mum's wednesday night after yoga and mum was in such a terrible state that in the morning i had to call the emergency unit. She didn't want to go to hospital but we had no other choice. I couldn't very well watch her choke and suffocate to death. Its such a shame that a life rich as hers must reach such a bitter end. I do think she will recover, but its not the life she loves. Everything is pain and struggle now.

Went to andy's to learn how he solves the internet problem. He changed the server, which is a good idea. And we made plans. 15 years of salamandra! E-books! I'll tell you when/if something works out.
luisa in bayern - 16.04.2014 um 08:59:28

 bürgerversammlung 


 bürgermeister schwäbl mahnt zum guten miteinander umgehen 


 auf dieser kuppe soll das gewerbegebiet entstehen 


das problem mit meinen e-mails werde ich am donnerstag mit andy hoffentlich lösen. jetzt bekomme ich offenbar viele mails immer noch nicht und auch meine kommen oft nicht an - geduld.

auf der bürgerversammlung habe ich erfahren, dass ich in einer "luxusgemeinde" lebe (und wem was nicht passt,der kann ja auch wegziehen), dass gelebte demokratie als querulantentum gesehen wird, weshalb auch kaum jemand was sagte obwohl an den stammtischen die gerüchteküche brodelt, dass ältere frauen (ich) anscheinend die natürlichen feindinnen der burschen auf dem land sind (johlendes gelächter bei jeder frage von mir) dass man durchaus eine stunde lang reden kann ohne das entscheidende zu sagen und dass politik hier gemacht wird wie in dem märchen: was der vater tut ist immer richtig.
ich fands wirklich interessant und habe viel gelernt.

my emails don't arrive and leave quite normal yet, patience please. andy might be able to solve it on thursday.

at the meeting in the village hall last night i came to know that i live in a "luxury parish" (if you have a problem you can always move away), that living democracy is considered to be querulous - the reason for most people to keep quiet at the meeting although the rumor mill is grinding noisily in the pubs and inns, that older women (me) are the natural enemies of young country lads (hooting laughter after each of my questions), that one can talk for an hour without coming to the point and that politics are practised here like in the fairytale: what father does is always right.
however - i enjoyed it. learnt a lot.

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